Internet-, Cyber-Mobbing

cyberpestenCybermobbing – wenn das Internet zum Tatort wird

Wer im Chatroom bedroht oder in den Kommentaren eines Blogs beleidigt und in sozialen Netzwerken verleumdet wird, fühlt sich persönlich bedroht und in seiner Privatsphäre eingeschränkt. Die digitale Welt macht es Tätern nicht gerade schwer, sich ein Opfer zu suchen und dessen Ruf in Nullkommanichts zu zerstören. Für den Täter bietet die Anonymität des Webs vermeintliche Sicherheit und viel Spielraum, um seinem Opfer das Leben zur Hölle zu machen und sich beim Cybermobbing auszuleben. Die Auswirkungen auf das Leben Betroffener ist fatal und die Tendenz der zunehmenden Mobbing Attacken erschreckend. Was vielen Tätern nicht bekannt ist, ist die Gesetzeslage zu virtuellem Mobbing. Denn wie das reale Leben ist auch das Internet kein rechtsfreier Raum und berechtigt das Opfer, gegen Mobbing und virtuelles Stalking straf- und zivilrechtlich vorzugehen.

Wie weit geht die Meinungsfreiheit im Netz?

Gibt man seinen eigenen Namen in die Suchmaschine ein, liefert diese nicht selten ein erstaunliches und sehr erschreckendes Ergebnis. Nicht nur, dass alle Postings und Bilder, alle Beiträge oder unter dem Namen verzeichneten Artikel aus eigener Feder zu finden sind. Opfer von Cybermobbing finden die kuriosesten Dinge, die im Zusammenhang mit ihrem Namen über Google und Co. zu finden sind und nicht von ihnen selbst verfasst wurden. Ob mit Photoshop bearbeitete Bilder, Mitgliedschaften und Profile auf Pornoseiten oder rufschädigende Einträge und falsche Tatsachen, die Möglichkeiten sind vielseitig und lassen Betroffene mit kaltem Schweiß auf dem Körper zurück. Denn wie wir wissen, vergisst das Internet nichts und selbst nach einer Löschung verbleiben Spuren der Diffamierung im Web. Cybermobbing ist kein rein „privates“ Problem, sondern betrifft Privatpersonen und gewerbliche Internetnutzer gleichermaßen. Durch die Anonymität des Webs ist es für Mobbing Opfer nicht erkennbar, wer die falschen Tatsachen gepostet und den eigenen Ruf geschädigt hat. Vom enttäuschten Exfreund bis zum verärgerten Kunden, einem Konkurrenten oder einer verschmähten Liebe kommt jeder in Frage.

Wie weit geht das Recht der freien Meinungsäußerung und wann erfolgt ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht oder einer strafbare Handlung? Lohnt sich eine Anzeige wegen Beleidigung, Verleumdung oder übler Nachrede und Rufmord? Welche Möglichkeiten zur Unterlassungsklage oder einer Gegendarstellung hat man als Opfer und kann man überhaupt Schadenersatz einfordern? Die wichtigste Frage aller Cybermobbing Opfer ist aber: wen soll man verklagen und wo macht man seinen Anspruch geltend? Haftet der Urheber des Eintrags, der meist anonym und vom Opfer nicht ermittelbar ist oder bezieht man den Betreiber der Website in die Klage ein, da er offensichtlich nichts gegen die Diffamierung unternommen hat? Fragen über Fragen, auf die es klare rechtliche Antworten gibt und die trotzdem für ein Mobbing Opfer im ersten Moment vor eine unlösbar erscheinende Aufgabe stellen.

Fakt ist: die Meinungsfreiheit im Internet hat ihre Grenzen und endet an der Stelle, wo eine persönliche Meinung mit Beschimpfungen und Beleidigungen, mit der Darstellung falscher Tatsachen oder einem Eingriff in die Privatsphäre einhergeht. Das Grundrecht auf Meinungsfreiheit bezieht Beleidigungen und die wirtschaftliche, mentale und persönliche Schädigung anderer Menschen nicht mit ein und bezieht klare Stellung zu verletzenden Worten im öffentlichen Raum – dem Internet.

Verbale Angriffe bleiben nicht folgenlos

Wie weit geht die Meinungsfreiheit wirklich und wann haben Mobbing Opfer das Recht, gegen Beleidigungen und Rufmord anzugehen und ihren „Privatbereich“ zu schützen? Die Beurteilung bei Gericht zeigt sich leider mit einigen Differenzen und folgt keiner klaren Linie. Richter und Staatsanwälte bewerten beispielsweise Internet Mobbing im Chat mit einem milderen Urteil, als es in öffentlichen Foren oder einer für jedermann zugänglichen Website der Fall ist. Der Teufel und damit die Begründung liegt im Detail. Der Chat ist ein begrenzter Wirkungsraum, in dem der für Cybermobbing Opfer entstandene Schaden aufgrund der nicht öffentlichen Äußerung geringer ist als in Foren, die von jedermann eingesehen werden können und dem entsprechend mehr Raum in der Öffentlichkeit haben. Ebenso fließt die Wortwahl in Urteile ein und unterscheidet ganz klar zwischen einer Meinungsäußerung und einer Tatsachenbehauptung. Die Meinungsäußerung ist eine persönliche Beurteilung, die dem Empfinden des Verfassers entspringt. Hingegen ist die Äußerung einer Tatsache ein tiefer Eingriff in den Lebensentwurf des Opfers und kann in ihrer Richtigkeit nicht mit Fakten untermauert werden.

Am Beispiel erklärt würde der Unterschied zwischen Meinungsäußerung und Tatsachenbehauptung wie folgt aussehen:

„Mandy H. ist nicht ganz richtig im Kopf.“ – Dies ist eine Meinungsäußerung, die der Verfasser persönlich vertritt und die keine Tatsache darstellt. Die Aussage ist daher weder wahr noch falsch und entspringt der persönlichen Ansicht des Schreibers.

„Mandy H. ist verantwortungslos und gefährdet die Sicherheit ihrer Familie.“ Hier handelt es sich um eine Tatsachenbehauptung, die sich als richtig oder falsch belegen lässt. Kann der Verfasser den Beweis erbringen und zum Beispiel konkrete Details zu seiner Aussage liefern, wäre die Behauptung richtig. Kann er dies nicht und Frau H. klagt gegen den Verfasser, würde sie aufgrund der Tatsachenbehauptung mit rufschädigendem Ausmaß vor Gericht recht bekommen.

Im juristischen Raum wird die falsche Tatsachenbehauptung strenger bewertet, während die persönliche Meinungsäußerung mit einem blauen Auge davon kommen lässt und oftmals als Kavaliersdelikt beurteilt wird. Das heißt allerdings nicht, dass wahre Tatsachen straffrei im Internet veröffentlicht und der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden dürfen. Selbst wenn eine öffentliche Strafanzeige abgewiesen wird, hat der Betroffene das Recht auf eine Löschung der Beiträge und die Einforderung von Schadenersatz.

Strafbare Äußerungen in Form einer Ehrenkränkung und Rufschädigungen können für den Täter zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe führen. Dazu zählen sämtliche Beleidigungen und Verspottung, durch welche die Ehre und Reputation des Mobbing Opfers gekränkt werden.

Beleidigung, Verleumdung und üble Nachrede

Die Verwendung des Realnamens lässt eine klare Zuordnung einer Person zu und kann für Cybermobbing Opfer als Klagegrund dienen, wenn er im Zusammenhang mit Beleidigungen wie Blödmann, Hornochse oder Schwuchtel verwendet wird. Denn hier liegt eine ganz klare Aussage vor, die im direkten Zusammenhang mit dem Namen des Ofers steht. Aber auch die Verwendung von Nicknamen und Pseudonymen ist nicht weniger strafbar, wenn aufgrund der üblen Nachrede ein Imageverlust entsteht. Wird eine Person im Internet öffentlich als Nazi, Faschist, Rechtsextremist oder „Zecke“ beschimpft und es gibt keinen beweisbaren Kontext zu diesen Aussagen, handelt es sich um eine imageschädigende und strafbare üble Nachrede. Die bewusste Verbreitung falscher Tatsachen fällt unter den Tatbestand der Verleumdung und dient dazu, einen Menschen vor der Öffentlichkeit unmöglich zu machen und sein Ansehen herabzuwürdigen.

Das Mobbing Opfer verliert durch unwahre öffentlich gestellte Behauptungen nicht nur seine Reputation, sondern kann die Wohnung, die Bonität und die Vertrauenswürdigkeit, die Arbeit und seinen Partner verlieren. Je nach Schwere der Behauptung müssen Cybermobbing Täter mit hohen Geld- oder Freiheitsstrafen rechnen, sofern das Opfer eine Klage einreicht und durch die Anzeige eine Richtigstellung und / oder Entfernung der Behauptungen erzielt.

Internet Mobbing ist nicht immer klar und deutlich, vor allem, wenn es sich nicht um eine Person, sondern um ein Produkt oder eine Dienstleistung handelt. Wird Kritik an einem künstlerischen oder wissenschaftlichen Projekt ausgeübt, eine gewerbliche Leistung angezweifelt oder zum Beispiel eine negative Äußerung zu einem Buch veröffentlicht, liegt nur dann Strafbarkeit vor, wenn die Kritik offenkundige Beleidigungen enthält und sich nicht allein auf das Werk, sondern auf dessen Verfasser bezieht.

Hilfe, ich werde gemobbt! Die Vorgehensweise bei Cybermobbing

Einen polizeilichen Strafantrag stellen

Vor einer Anzeige sollte das Mobbing Opfer sämtliche Informationen zusammentragen und diese schriftlich festhalten. Dazu gehört die Fixierung sämtlicher des Opfer betreffender Inhalte, wie beispielsweise einen Chatverlauf oder den explodierenden Beitrag im Forum, wie auch das Impressum des Betreibers und den Namen des Verfassers. Ohne einen Strafantrag bei der Polizei wird Internet Mobbing nicht verfolgt, sodass eine klassische Anzeige nicht ausreicht. Auch wenn es einem Mobbing Opfer schwer fällt, die Fakten noch einmal aufzulisten und diese zu unterschreiben, ist der Strafantrag die einzige Möglichkeit für eine Ahndung der Cybermobbing Täter. Auch ohne Realnamen des Täters ist ein Strafantrag möglich, da die Polizei über die notwendigen Mittel verfügt, die Namen der Täter vom Provider zu erfahren.

Zivilrechtliches Vorgehen gegen den Täter

Rufschädigende Einträge und Behauptungen können nicht durch den Strafantrag bei der Polizei, sondern nur durch ein zivilrechtliches Verfahren beantragt werden. Gleiches gilt auch für den Schadenersatz, den das Mobbing Opfer ebenfalls zivilrechtlich einfordern muss. Im zivilrechtlichen Verfahren können Unterlassungs-, Beseitigungs- und Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden. Diese Möglichkeit haben sowohl Gewerbebetriebe, wie auch Privatpersonen. Gerade die Schadenersatzforderung wirft viele Fragen auf und lässt überlegen, welche Summe aufgrund des entstandenen Schadens einklagbar und legitim ist. In der Höhe richtet sich die durch ein Zivilgericht festgelegte Summe nach dem tatsächlichen Schaden, der dem Mobbing Opfer körperlich, geistig und finanziell entstanden ist. Für die meisten Cybermobbing Opfer sind die Löschung der Beiträge und die Richtigstellung der Fakten von größerer Bedeutung als Geld, mit dem sich der Ruf und die Reputation nicht wieder herstellen lassen. Um ein zivilrechtliches Verfahren durchzusetzen, sollten Internet Mobbing Opfer unbedingt einen erfahrenen Anwalt an ihrer Seite haben und diesen mit der Durchsetzung ihres Rechts beauftragen. Ohne juristische Unterstützung sind die Chancen auf einen erfolgreichen zivilrechtlichen Prozess sehr gering.

Freie Meinungsäußerung in Chats und sozialen Netzwerken

Manchmal ist es besser, Gedanken für sich zu behalten und nicht alles an die Öffentlichkeit zu tragen. Cybermobbing ist eine Begleiterscheinung der Digitalisierung und konnte sich nur so stark entwickeln, weil der Meinungsaustausch im World Wide Web zum unaufhaltsamen Boom wurde. Chats, Foren und soziale Netzwerke animieren zum Austausch über Neuigkeiten, Gedanken und Wünsche, zur Mitteilung von Informationen und so auch zum ein oder anderen sehr vertraulichen Gespräch. Während der Chat mit einer Person einen geschützten Bereich umfasst, wo Mitteilungen nur an die Zielperson gelangen und nicht für jedermann einsehbar sind, verhält es sich bei Forenbeiträgen oder Postings im Social Network anders.

Das Internet ist nicht anonym und gibt mehr Informationen preis, als der Mobbing Täter anfänglich glaubt. Jeder PC, jedes mit mobilem Internet ausgestattete Smartphone und alle Tablets sind mit EINEM Internet verbunden und verfügen über eine feste Adresse, über die das Gerät und damit der Besitzer identifiziert werden kann. Beim Surfen im Web hinterlässt man Spuren, die beispielsweise bei einem Strafantrag bei der Polizei hilfreich sind und dem Mobbing Opfer dienen, um die Identität des Täters zu ermitteln. Provider müssen einer Privatperson keine Auskunft zu einer IP Adresse geben, doch bei einer Anfrage der Polizei im Zuge der Strafverfolgung ist die Herausgabe der Kundendaten verpflichtend.

Wie viel Anonymität gibt es?

Der lockere Umgangston in Blogs, Chats und sozialen Netzwerken, sowie die Nutzung von Nicknames und Pseudonymen lässt die Identität gut verbergen und eine virtuelle „Person“ anlegen. Während sich die meisten Menschen im realen Gespräch mit ihren Äußerungen zurücknehmen, verfallen sie in der vermeintlichen Anonymität des Internets schnell in einen lockeren Plauderton, in dem sehr Persönliches und auch Beleidigungen preisgegeben werden. Alle öffentlich zugänglichen Bereiche sind nicht nur vom Schreiber und seinem Gesprächspartner, sondern von allen Nutzern des Internet einlesbar und können dem entsprechend bei beleidigenden Äußerungen mit Konsequenzen belegt werden.

Als Portal- oder Blogbetreiber obliegt die Überprüfung der Inhalte einer ganz klaren gesetzlichen Regelung. Die Diffamierung von Mitgliedern wird nicht allein dem Verursacher „in die Schuhe geschoben“, sondern beinhaltet in der Rechtsprechung auch die Haftung des Betreibers. Das heißt, das Blogbetreiber und Co. beleidigende und diffamierende Beiträge löschen und in ihrer Funktion als Verwalter des Portals mahnen und bei Nichtbeachtung der Mahnung den jeweiligen User sperren dürfen. Die Überschreitung strafbarer Grenzen im Web ist kein Kavaliersdelikt und zieht rechtliche Konsequenzen für den Verfasser und den Betreiber nach sich.

Ich habe doch nichts gemacht! – Haftung des Providers

Der Internet Dienstleister hat mit den Inhalten eines Blogs, Forums oder einer Website zwar nichts zu tun, wird aber trotzdem nicht von jeglicher Haftung freigesprochen. In erster Linie tritt neben dem eigentlichen Mobbing Täter de Medieninhaber, also der Foren-, Blog- oder Website Inhaber in die Haftung und muss die Verantwortung für gepostete Verleumdungen und üble Nachrede übernehmen. Der Haftungsumfang richtet sich hier nach der Position, die er selbst besetzt. Fremdinhalte, wie zum Beispiel Blog- und Forenbeiträge werden nicht so streng geahndet wie eigene Inhalte, in denen sich ein Betreiber öffentlich über einen User auslässt und dessen Ruf schädigt.

Um näher auf die Haftung des Providers einzugehen, müssen zuerst die unterschiedlichen Provider-Auftrittsarten geklärt werden.

Es gibt Content Provider, die eigene Inhalte zur Verfügung stellen.
Es gibt Host Provider, die Speicherplatz auf ihrem Server vermieten und die Veröffentlichung von Inhalten damit ermöglichen.
Es gibt Access Provider, die weder Speicherplatz noch eigene Inhalte, sondern nur den Zugang zum Internet bereitstellen.

Für Informationen haftet der Content Provider in vollem Umfang, stellt er eigene Inhalte oder Artikel und Bilder von Dritten, auch wenn diese nicht als solche erkennbar sind, auf seinen Seiten aus. In dem Moment der Veröffentlichung übernimmt der Content Provider die Haftung und kann sich nicht damit schützen, das er den Inhalt nicht selbst erstellt hat. Wenn ein Haftungs-Disclaimer fehlt, muss sich der Content Provider vollständig verantworten und auch mit einem Strafantrag rechnen, wenn die Gesamtheit der Beiträge oder einzelne Auszüge eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte anderer Menschen beinhalten. Dies gilt auch, handelt es sich um auf den Seiten veröffentlichtes Mobbing.

Im Gegensatz dazu sind Access Provider und Internetanschluss Anbieter nicht für den Inhalt der Seiten verantwortlich, die durch ihre Leitung laufen oder auf ihrem Server hinterlegt sind.

Wann wird ein virtueller Streit zum Mobbing / Bullying?

Nicht jede böse Äußerung ist, auch wenn sie den Tatbestand der Beleidigung oder Verleumdung und Rufschädigung erfüllt, unbedingt als Mobbing zu bezeichnen. Mobbing Opfer stehen daher, auch wenn es schwer fällt in der Beweispflicht, die Cybermobbing Aktivitäten zu belegen und ganz klare Aspekte zur Dauer, dem Verlauf und den Inhalten aufzuzeigen. Von Internet Mobbing ist auf jeden Fall die Rede, wenn einer oder mehrere der folgenden Tatbestände erfüllt sind:

+ Wiederholung – das Mobbing Opfer wird mehrfach über einen längeren Zeitraum hinweg online angegriffen.
+ Gezielte Absichten – der Täter handelt bewusst um das Opfer zu schädigen.
+ Kräfteungleichgewicht – der Täter ist stärker als das Opfer, wobei es hier unwichtig ist, ob das Opfer dieses Ungleichgewicht nur empfindet oder ob es wirklich der Fall ist.
+ Hilflosigkeit – das Opfer fühlt sich macht- und hilflos ausgeliefert und es spielt keine Rolle, ob es tatsächlich oder nur in der Empfindung des Mobbing Opfers der Fall ist.

Cybermobbing begann im Kleinen und wurde im Anfangsstadium primär von Jugendlichen genutzt. Hier dienten soziale Netzwerke oder Foren dazu, sich über Lehrer und „Respektspersonen“ auszulassen und deren Ruf zu schädigen. Wahre und nicht für die Öffentlichkeit bestimmte, aber auch unwahre Behauptungen nahmen ihren Lauf und haben sich virusartig im Internet verbreitet. Anfänglich stand man dem Cybermobbing hilflos gegenüber und schritt zu spät ein. Dies hatte zur Folge, das sich die Beliebtheit der Verbreitung von rufschädigenden Aussagen steigerte und aus ganz verschiedenen, aber immer niederen Gründen in die virtuelle Welt gesetzt wurde.

Rache, Neid und Missgunst, enttäuschte Liebe oder ein geringes Selbstbewusstsein sind Gründe für Cybermobbing.
Das Ziel ist die Besserstellung der eigenen Person und die Rufschädigung des Menschen, der virtuell angegriffen wird. Dabei ist es Cybermobbing Tätern vollständig egal, ob die Aussagen der Wahrheit entsprechen oder ihrer eigenen Phantasiewelt entspringen. Die Zielerreichung, dem Opfer das Leben zur Hölle zu machen und es psychisch leiden zu lassen, steht als einziger Faktor im Mittelpunkt. Oftmals geht Cybermobbing eine Meinungsverschiedenheit voraus, die sich durch die vermeintliche Anonymität hochschaukelt und zu einem handfesten Streit wird. Auseinandersetzungen im Web steigern den Mut, da das Gegenüber nicht „greifbar“ und in den Augen des Mobbing Täters wehrlos ist. Anfeindungen, Verleumdungen und Anschuldigungen führen bei Mobbing Opfern generell dazu, vor der Resignation in die Verteidigungshaltung zu wechseln und bereits an diesem Punkt hat der Täter erreicht, was er sich als Ziel gesetzt hat.

Gibt es den potenziellen Täter und das potenzielle Opfer?

Anhand der aktuellen Erkenntnisse ließe sich durchaus vermuten, dass es sich bei Cybermobbing Tätern immer um zurückgezogene und nur im Internet mutige Menschen, und beim Mobbing Opfer immer um schwächere, wenig selbstbewusste Menschen handelt. Doch die Realität sieht anders aus, denn jeder Mensch kann aus einer Situation heraus sowohl zum Opfer, als auch zum Täter von Cybermobbing Angriffen werden. Bei Jugendlichen ist die Symptomatik der Opfer-Täter Einordnung sehr klassisch ausgeprägt und scheint tatsächlich einem Schema zu folgen.

Mobbing Opfer sind meist: kleinere und schwächere Kinder, Jugendliche mit Übergewicht, Kids die aus prekären Verhältnissen stammen oder keine Markenkleidung / die falsche Marke tragen und ängstlich, beziehungsweise schüchtern sind. Auch Kinder aus wohlsituierten Familien oder einem überbehüteten Elternhaus werden zum Opfer, da sie von der Allgemeinheit im Klassenkollektiv aufgrund ihres Verhaltens nicht akzeptiert werden. Weitere Merkmale der Opferrolle sind körperliche oder geistige Behinderungen, die Zugehörigkeit zu ethnischen Minderheiten oder zu einer sozialen Randgruppe.

Mobbing Täter sind keinesfalls, wie man in der Vergangenheit vermutete, vorwiegend männlich und ihren Opfern kräftemäßig überlegen. Vielmehr weisen sie unter anderem: eine sehr dominante und gewalttätige Ader, Impulsivität und ein starkes Selbstvertrauen, sowie nicht selten eine narzisstische Verhaltensweise auf. Der Gerechtigkeitssinn und das Schuldbewusstsein sind ausgeblendet, da die eigene Person und deren Zufriedenheit beim Mobbing Täter im Vordergrund steht und die Gefühle oder Empfindungen seiner Mitmenschen ausblendet. Wer einmal Cybermobbing Opfer oder Täter war, wird in Folge seines Lebens in der Regel nie in die andere Rolle schlüpfen, aber immer ein hohes Risiko einer neuen Mobbing Attacke eingehen.

Cybermobbing in allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen

Bei Kindern und Jugendlichen ist das Mobbing im Web zwar sehr stark verbreitet und macht den größten Anteil bei Opfern und Tätern aus, doch endet die Gefahr nicht mit der Volljährigkeit. Menschen mit oben aufgeführten Eigenschaften und Wesenszügen haben im Erwachsenenalter die gleichen Probleme, wobei sich diese sowohl auf Seiten des Täters, wie auf Seiten des Opfers verstärken.

Cybermobbing betrifft alle Lebensbereiche und führt für Opfer zur Hilflosigkeit und psychischen Beeinträchtigung, bis hin zu Depressionen und Selbstmordgedanken. Nicht selten führen Mobbing Attacken im Internet in eine psychologische Behandlung, die je nach Schwere der Auswirkungen bis zu 3 Monaten stationären Aufenthalt erfordern kann. Ob arm oder reich, berufstätig oder arbeitslos, Schüler oder Manager, niemand kann sich vor einer falschen Behauptung im Internet schützen und kann in den Strudel aus Rufmord, Verleumdung und Erniedrigung, sowie den daraus resultierenden seelischen und körperlichen Folgen geraten. Auch nach einer Therapie ist ein Cybermobbing Opfer nicht geheilt und kaum in der Lage, seinen Alltag wie vor dem Angriff wieder aufzunehmen. Während der Täter nach Abbüßung seiner Strafe als rehabilitiert gilt, neigen Mobbing Opfer häufig zu sozialer Isolation und Angststörungen, erneut Opfer zu werden und einen Angriff über sich ergehen lassen zu müssen.

Privatpersonen und Unternehmen leiden gleichermaßen unter der Meinungsfreiheit im Netz und unter der Tatsache, dass sich Falschinformationen und rufschädigende Aussagen innerhalb weniger Sekunden verbreiten und oftmals eher im Umfeld angelangen, als der Betroffene selbst in Kenntnis darüber gelangt. Da man es nicht jedem Menschen recht machen kann und die Öffentlichkeit heute für viele Menschen als selbst gewähltes Publikum zählt, steigt die Gefahr von Cybermobbing stetig und hat ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht.

Wenn Selfies und Co. zu Mobbing Attacken motivieren

Wir teilen unser Leben nicht nur mit der Familie und Freunden, sondern mit der ganzen Welt und einer großen, fremden Community. Dabei gerät die Privatsphäre immer mehr in den Hintergrund. Soziale Netzwerke und Foren laden förmlich zum Bilder hochladen ein und machen einen regelrechten Wettbewerb daraus, jede Situation, jeden Moment, jedes Essen und jeden Ausflug mit den „imaginären“ Freunden im Web zu teilen. Fröhliche und traurige Selfies, Bilder im neuesten Outfit oder mit einem neuen Partner, Dessous-Fotos und Ausschnitte aus dem Berufsleben sind auf den Profilen im Web zahlreich zu finden. Selbst Emotionen werden mit fremden Menschen geteilt, in dem man sich der milliardenfach im Internet zu findenden „Fertigbilder“ bedient und diese bei Facebook und Co. auf sein Profil stellt.

Auffallend ist, dass Menschen mit einer regen Medienpräsenz viel häufiger zum Mobbing Opfer im Internet werden. Nichtsdestotrotz sind die Auslöser der Konflikte zum hohen Prozentsatz im realen Leben zu finden und können auch nur dort gelöst werden. Während Website Betreiber die Löschung beleidigender, verletzender und rufschädigender oder verhetzender Postings anbieten, ist das Problem nach einer Entfernung der Inhalte noch nicht geklärt. Diese sollte natürlich vom Opfer umgehend in die Wege geleitet werden, denn mit dem Ausschalten der Geräte ist die Information nicht verschwunden. Da sich jeder User leider mit verschiedenen Namen erneut in Foren oder sozialen Netzwerken anmelden kann, könnte sich die Löschung als dauerhafte Maßnahme aufzeigen und vom Mobbing Opfer die tägliche Kontrolle der Seiten erfordern. Dies lässt sich mit dem realen Leben nicht verbinden und nimmt viel Zeit, Nerven und Ärger in Anspruch.

Unter dem Strich betrachtet kann nur eine Auseinandersetzung im realen Leben zur Lösung des Problems beitragen und durch einen Strafantrag, sowie eine Unterlassungsklage dauerhaft zum Erfolg führen. Bei Kindern, wie bei Erwachsenen kann ein Mobbing Opfer durch aufmerksame Familienmitglieder und Freunde erkannt werden. Wer viel im Web surft und mit dieser Gewohnheit auf einmal bricht, wer sich immer mehr zurückzieht und still wird, könnte im Internet auf Informationen gestoßen sein, die seine Persönlichkeit beeinträchtigen und ihn ängstigen. Ein offener Umgang mit Mobbing Opfern ist für deren Psyche besonders wichtig, denn von allein werden nur die wenigsten Betroffenen aktiv und eine Handlung in die Wege leiten.

Internet Mobbing ist ein Problem der neuen Zeit, der Digitalisierung und vermehrten Nutzung moderner Medien. Dabei sollte aber nie in Vergessenheit geraten, dass die ursprünglichen Probleme nur selten im Internet, sondern viel häufiger im realen Leben von Cybermobbing Opfer und Täter auftreten. Die Erkenntnis und eine Hinterfragung der Ursache helfen dabei, den Täter ausfindig zu machen und ihn zu einer offline erfolgenden Aufklärung heranzuziehen.

 

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